Presse 2005 - 06

17.05.2010 -  FFC Oldesloe - SG Lütgendortmund

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26.04.2006 - Krampf statt Klasse
FFC Oldesloe - Hamburger SV II 1:0 (1:0)

Im Kurparkstadion Bad Oldesloe kam es an diesem Sonntag zum Topspiel der beiden Clubs, die sich um den Aufstieg in die zweite Bundesliga bewarben. Die Zweite des HSV hatte sieben Punkte Vorsprung und konnte nmit einem Sieg bereits fünf Spiele vor dem Saisonende für die Vorentscheidung sorgen.

Die Bundesliga-Zuliefertruppe um Trainerin Claudia von Lanken litt allerdings schon seit Wochen unter personellem Aderlass. Wichtige Spielerinnen aus der noch unbesiegten Stammformation waren zur ersten Mannschaft abkommandiert, die durch eine Verletzungswelle acht Akteurinnen ersetzen musste - darunter auch die von der Zweiten wieder aufgerückte Vanessa Schröer. Anders die Gastgeber: Hier fehlte lediglich Mittelfeldspielerin Gina Buchwald. Ansonsten vertraute Michael Clausen auf seine Stammformation, offenbarte allerdings mangelndes Wissen über den Gegner: In einem Zeitungsinterview erwog er, dass die Gäste Verstärkung aus der Bundesliga erhalten könnten...

Diese Verstärkung gab es wegen des zeitgleich angesetzten Bundesligaspiels gegen Bayern München natürlich nicht. Im Gegenteil: Stammkeeperin Claudia Choinowski war als mögliche Feldspielerin nach Hamburg abkommandiert. Dafür stand U19-Weltmeisterin Tessa Rinkes im Kasten. Davor verteidigte eine Viererkette mit den Reservistinnen Alexandra Filippow und Vanessa Hamed, dazu Vanessa Bastin und Stefanie Vogelwiesche. Als Abräumerin vor der Abwehr sollte Monique Müller für Ordnung sorgen. Auf der linken Seite kam Christina Arp zum Einsatz, rechts Nadine Odzakovic, zentral Johanna Borkowski. Denise Lehmann hing etwas hinter der einzigen echten Spitze, Kathrin Patzke.

Oldesloe setzte ebenfalls auf eine Viererkette vor Torhüterin Jasmin Dreessen. Von links nach rechts verteidigten Desiree Steinike, Nachwuchstalent Svenja Fritz, Ex-Bundesligaspielerin Mirja Herrmann (früher HSV) und Denise Steinike. Zentral vor der Abwehr war die frühere HSV-Kapitänin Claudia Wenzel postiert. Dazu kamen im Mittelfeld Theresa Blum, Jana Dibbern und U19-Nationalspielerin Josephine Hinz. Den Sturm besetzten Marialiiza Kranz und Gaitana Lippert, Doppeltorschützin beim 5:2 gegen Hastenbeck.

Beim Einmarsch hieß der Stadionsprecher die Gäste noch freundlich willkommen: "Wir freuen uns, den HSV auf dem Weg in die zweite Liga nochmal bei uns begrüßen zu dürfen." Doch scheinbar hatte er diese Freude ganz für sich allein. Der FFC begann stürmisch und erspielte sich mit dem ersten Angriff einen Eckball. Hinz brachte ihn herein, und ausgerechnet das frühere HSV-Urgestein Wenzel versenkte aus dem Getümmel heraus zum 1:0 nach zwei Minuten! Besser hätte die Partie um den letzten Strohhalm für die Gastgeber nicht beginnen können. Der Treffer gab Auftrieb. Oldesloe ließ dem HSV keinen Platz zum Spielen und war spielbestimmend. Viele Aktionen waren Stückwerk. Die Räume waren eng, und so wurde der HSV zu Fehlern gezwungen. Der FFC war aggressiver und etwas konstruktiver, ohne aber die großen Chancen herauszuspielen. Der Strafraum war für die Hamburgerinnen quasi eine Bannmeile. Qualitativ wurde der Verlauf den Tabellenpltzen jedoch nicht gerecht. Begünstigt wurde der Gastgeber durch die Schiedsrichterin, die nach 25 Minuten erstmals richtig daneben lag. Lippert verlor einen hart, aber fair geführten Zweikampf gegen Bastin, bekam aber einen Freistoß zugesprochen, und Bastin sah dafür noch die Gelbe Karte. Den nachfolgenden Freistoß kloppte Wenzel aus spitzem Winkel flach aufs Tor, Rinkes bekam den Ball nicht unter Kontrolle und konnte nur zum Eckball abwehren.

Es war deutlich zu sehen, wo die Probleme des Tabellenführers lagen: Sie kamen nicht damit zurecht, vom Gegner gedoppelt zu werden, spielten zu langsam, einfallslos und bewegten sich ohne Ball nicht ausreichend. Das Zusammenspiel stimmte nicht, und mit Einzelaktionen kamen sie nicht durch. Selbst Routiniers wie Müller und Lehmann fanden keine Mittel. Nach 38 Minuten kamen sie doch zur ersten Chance - durch ein Solo. Patzke stürmte mit dem Ball am Fuß aus der eigenen Hälfte an fünf Oldesloerinnen vorbei in den Strafraum, spitzelte mit letzter Kraft aufs Tor, doch Torhüterin Dreessen wehrte ab. Wenig später wurde Patzke von Müller in Szene gesetzt, wurde am Strafraum hart bedrängt von Denise Steinike und drehte sich um ihre Gegenspielerin. Im Strafraum grätschten dann beide zum Ball, und Patzke blieb verletzt liegen. Der HSV protestierte lautstark - eine Tätlichkeit mit dem Ellenbogen soll dabei gewesen sein. Wenn, dann hatte es die Schiedsrichterin übersehen. Zumindest hielt sich die Hamburgerin gequält den Oberbauch, als sie zur Behandlung vom Feld gebracht wurde.

Das 1:0 zur Pause ging insgesamt in Ordnung. Oldesloe war eng am Gegener und ließ keinen Raum zum Kombinieren. Sie störten früh, machten dann aber im Angriff zu wenig aus ihrer Überlegenheit. Der HSV wirkte in der Abwehr nicht sattelfest, im Vorwärtsgang präsentierte sich der Ligaprimus ideenlos. Nur Einzelaktionen versprühten einen Ansatz von Gefahr. Meist aber gab es kein Durchkommen, zumal ein geordnetes Flügelspiel so gut wie nicht stattfand. Die Flügelzangen mit Filippow/Arp und Vogelwiesche/Odzakovic versagten völlig.

So forderte Trainerin Claudia von Lanken von ihrer Truppe, endlich wach zu werden. Aber auch zu Beginn des zweiten Durchgangs agierte ihr Team nachlässig und träge. Dann war sie auch noch zum Wechsel gezwungen. Eine Schulterverletzung beendete für Filippow die Partie. Cathérine Knobloch kam herein. Und die war gleich an der ersten Chance beteiligt - allerdings im eigenen Strafraum. Sie sprang unter einem Freistoß aus dem Mittelfeld hindurch, doch den Schuss von Hinz aus spitzem Winkel lenkte Rinkes noch zum Eckball (52.). Sechs Minuten später hatte Blum die große Möglichkeit zum 2:0, als Bastin einen Freistoß von Hinz verlängerte. Doch die Oldesloerin schob freistehend rechts vorbei. Beim Tabellenführer lief einfach nichts zusammen, sie waren in ihren Aktionen ungenau und machten die Gegentore fast selbst. Sie wirkten auch irgendwie ungelenk. Da sahen die Bewegungen beim Gastgeber viel geschmeidigier aus. Aber sie nutzten es nicht. Beim HSV machte sich Frust breit, auch über die einseitig pfeifende Schiedsrichterin. Bei der abgemeldeten HSV-Torjägerin Lehmann äußerte sich das nach einem abgepfiffenen Zweikampf in einer Verwarnung wegen Meckerns. Nächste Standardsituation: Wenzel probierte es direkt flach aus 30 Metern, aber der Schuss war kein Problem für Rinkes (70.).

So langsam rannte dem HSV die Zeit davon. Lehmann probierte es mal mit einem Verzweiflungsschuss aus der Distanz, der klar über das Tor ging. Diese Art, den Frust abzubauen, war immerhin besser als Odzakovics Reaktion auf eine von vielen Fehlleistungen der Schiedsrichterin: Basti wurde von Lippert gefoult und verlor den Ball. Das Spiel ging weiter, Desiree Steinike zog zum Strafraum und wurde von Odzakovic ohne Kampf um den Ball gebremst - Gelb. Den Tritt in die Hacken hätte Frau Mohr der Oldesloerin ersparen können... Aber es war auch so nicht der Tag von Bastin. Eine Viertelstunde vor Schluss vertändelte die Kapitänin der Hanseatinnen leichtsinnig den Ball an Hinz, aber die vergab freistehend vor Rinkes. Auf der Gegenseite steckte Lehmann durch und fand Patzke. Wieder spitzelte sie mit dem Außenrist, aber Dreessen wehrte ab (79.).

In den letzten zehn Minuten brannte der HSV ein Strohfeuer ab. Nach Eckball von Arp köpfte Borkowski rechts vorbei (80.). Und kurz vor Schluss schoss Lehmann im Fallen aus 25 Metern rechts vorbei. Am Ende siegte Oldesloe verdient mit 1:0. Der HSV zeigte einfach zu wenig, ließ sich von den Gastgeberinnen den Schneid und von der Schiedsrichterin die Motivation abkaufen. Der robusten Spielweise des FFC waren sie nicht gewachsen, waren zudem im Aufbau schlampig. Damit nahm Oldesloe sie aus dem Spiel und zwang die Hansestädterinnen zu Fehlern. Die Partie war über die gesamte Spielzeit von Kampf und Krampf geprägt, spielerisch jedoch sehr mager und alles andere als ein Spitzenspiel. Beste bei Oldesloe waren Claudia Wenzel und Svenja Fritz. Beim HSV konnte ansatzweise Kathrin Patzke gefallen, wenn man auch nicht von "herausstechen" sprechen kann. Negativ fielen vor allem Bastin, Arp, Vogelwiesche und Müller auf. Wenn der HSv so auch nächste Woche in Nahe auftritt, dürfte das Unternehmen Aufstieg noch in große Gefahr geraten. Schließlich beträgt der Vorsprung auf den FFC Oldesloe nach der ersten Saisonpleite nur noch vier Punkte...

FFC Oldesloe:

Jasmin Dreessen - Desiree Steinike, Svenja Fritz, Mirja Herrmann, Denise Steinike - Claudia Wenzel - Theresa Blum, Jana Dibbern (80. ), Josephine Hinz - Marialiiza Kranz, Gaitana Lippert

Hamburger SV II:

Tessa Rinkes - Alexandra Filippow (49. Cathérine Knobloch), Vanessa Bastin, Vanessa Hamed, Stefanie Vogelwiesche - Monique Müller - Christina Arp, Johanna Borkowski, Nadine Odzakovic - Denise Lehmann - Kathrin Patzke

Tor: 1:0 Wenzel (2.)

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