FFC Oldesloe - Die Spielzeit 1999 - 2000

 

  • Gründung eines Fußballclubs für Frauen in Planung
  • VfL Oldesloe entlässt Trainer Wolfgang Dibbern
  • 45 Mädchen treten aus dem VfL Oldesloe aus
  • Fußballerinnen gründen landesweit ersten Frauenfußballcub
  • Leserforum

 

23.02.2000
Fußballo-Club nur für Frauen?

Neugründung in Planung, Abspaltung vom VfL Oldesloe wäre die Folge

Fußballclub nur für Frauen? Neugründung ist in Planung, Abspaltung vom VfL Oldesloe wäre die Folge.

Steht dem Frauenfußball in Stormarn ein Konzentrationsprozess bevor? Einiges deutet darauf hin, dass sich Bad Oldesloe künftig als erste Adresse etablieren will. Hartnäckigen Gerüchten zufolge steht in der Kreisstadt die Gründung eines reinen Frauenfußballclubs bevor – der FFC Oldesloe soll zur neuen Saison in den Spielbetrieb eingreifen. Zwangsläufig damit verbunden wäre eine Abspaltung des Frauenfußballs vom Traditionsclub VfL.

„Weiterentwicklung des Frauenfußballs statt Stagnation“, so lautet die Devise von Wolfgang Dibbern, derzeit noch Trainer der Mädchen beim VfL Oldesloe, mit denen er im Vorjahr Bezirkspokal und Landesmeisterschaft gewann. Zusammen mit den erfolgreichen Spielerinnen und deren Eltern ist Dibbern eine der treibende Kräfte bei der Verwirklichung der Vereinsgründung.

Dibbern selbst hält sich bislang bedeckt, wohl auch, um eine weitere Zusammenarbeit mit dem VfL Oldesloe nicht von vornherein auszuschließen: „Wir bewegen uns momentan auf einer spekulativen Ebene. Zunächst müssen grundsätzliche Fragen mit der Stadt und dem VfL Oldesloe erörtert werden, bevor eine Vereinsgründung erfolgt.“

So sind Platzkapazitäten und Trainingszeiten noch nicht geklärt, ein Gerangel darüber wäre wohl unvermeidlich. Zudem stellt sich die Frage, wie die Statuierung des neuen Vereins finanziell bewerkstelligt werden soll. Nach Informationen der Ahrensburger Zeitung soll allerdings bereits ein Sponsor eine großzügige Finanzspritze zugesagt haben. Außerdem sollen einige Eltern von Spielerinnen finanzielle Unterstützung signalisiert haben.

Mit der Gründung des FFC Oldesloe könnten harte Zeiten für den VfL Oldesloe, aber auch für andere Klubs anbrechen. Denn ein reiner Frauenclub könnte in Stormarn durchaus eine gewisse Magnetwirkung entfalten, da fußballspielende Damen bei Männern noch oftmals auf Ressentiments („Schnittenkick“) stoßen. Die Folge wäre eine Abwanderungswelle, einhergehend mit dem Rückzug von Mannschaften wegen Personalmangels. Dieses Problem fürchtet VfL-Fußballchef Jörg Lemke allerdings nicht: „Es wäre ein Trugschluss, dass ein ausschließlich auf den Frauenfußball spezialisierter Verein mehr bieten könnte. Wir als großer Traditionsverein können etwas bewegen, da wir mehr Möglichkeiten und eine größere Lobby im Kreis haben.“

Trotz der vorgeblichen Sorglosigkeit des Abteilungsleiters scheint es beim VfL intern zu brodeln: So trat Susanne Lienau vor drei Wochen von ihrem Posten als Frauenfußballbeauftragte zurück. Zu einer Stellungnahme war sie leider noch nicht bereit.

AHRENSBURGER ZEITUNG vom 23.2.2000


Freitag, 24. März 2000
Die Travestädter haben sich von Wolfgang Dibbern getrennt. Man hat den Mädchentrainer wegen „vereinsschädigendem Verhaltens“ in die Wüste geschickt.
LÜBECKER NACHRICHTEN vom 24.3.2000


Samstag, 25. März 2000
Schamloser Missbrauch des Trainerpostens?

Frauenfußball: VfL Oldesloe entlässt seinen erfolgreichen Mädchen-Coach Wolfgang Dibbern.

Die Fußballabteilung des VfL Oldesloe hat sich mit sofortiger Wirkung von ihrem Mädchen-Trainer Wolfgang Dibbern getrennt. Die Begründung: Dibbern habe seine Trainerposition innerhalb des VfL Oldesloe auf „schamlose Weise“ missbraucht, um seine Schützlinge für den neugegründeten Frauenfußballclub FFC Oldesloe, dessen 2. Vorsitzender er ist, abzuwerben. Vorerst wird nun VfL-Spartenleiter Jörg Lembke das Frauen-Training leiten.
Unter der Devise „Weiterentwicklung des Frauenfußballs statt Stagnation“ hatte Dibbern Ende Februar zusammen mit einigen Eltern der erfolgreichen Nachwuchsspielerinnen, die in der vergangenen Saison die Landesmeisterschaft für den VfL Oldesloe gewannen, als treibende Kraft den reinen Frauenfußballclub gegründet.

In der kommenden Serie soll der FFC Oldesloe in den Spielbetrieb einsteigen. Zwangsläufig damit verbunden wäre damit eine Abspaltung vom Travestädter Traditionsclub, da alle 45 kickenden Mädchen des VfL Oldesloe bereits Mitglieder im FFC sind.

Die Abteilungsführung des VfL beschuldigt Dibbern deswegen der gezielten Abwerbung und hat jetzt mit dessen Entlassung reagiert. „Der VfL Oldesloe war nicht länger bereit, dieses vereinsschädigende und wider jeden Anstand und jede Moral im Sport dargebotene Verhalten zu dulden und hat aus diesem Grund den längst überfälligen Schritt der Trennung vollzogen“, heißt es in einer Presse-Mitteilung, für die Jörg Lembke verantwortlich zeichnet. Doch diese Maßnahme könnte zu spät erfolgt sein. Denn sollte der FFC Oldesloe sich in der kommenden Saison tatsächlich zum Spielbetrieb anmelden und alle 45 Nachwuchskickerinnen des VfL für den FFC auflaufen, stünde die weibliche Nachwuchsarbeit des Oldesloer Traditionsclubs vor einem Scherbenhaufen.

Dibbern wollte sich zum Rausschmiss und dem ihm entgegengebrachten Vorwurf der Abwerbung zu diesem Zeitpunkt nicht äußern. Zusammen mit dem gesamten Vorstand des FFC Oldesloe will der Übungsleiter erst eine Versammlung des neugegründeten Vereins, die an diesem Wochenende stattfindet, abwarten.
AHRENSBURGER ZEITUNG vom 25.3.2000

 

31.03.2000
45 Mädchen überreichten dem VfL Oldesloe ihre Austrittserklärungen
Frauen-Fußballclub Oldesloe gegründet

Jörg Lembke, Fußball-Spartenleiter des VfL Oldesloe, traute seinen Augen nicht, als er den Sportplatz Am Wendum betrat, um das Training der B-Mädchen (12 - 16 Jahre) aufzunehmen. Die Nachwuchs -Kickerinnen posierten im Tor, ließen sich von der eigens eingeladenen Presse ablichten und skandierten: "Jetzt geht`s los", 45 Spielerinnen überreichten ihre Austrittserklärungen, damit scheiden beide VfL-Teams aus dem laufenden Spielbetrieb aus. Eine Demonstration gegen die Entlassung von Mädchen-Coach Wolfgang Dibbern und für die Gründung des Frauen-Fussballclubs Oldesloe - initiiert vom anwesenden FFC-Vorsatand.

Der ahnungslose Lembke reagierte verunsichert und versuchte unbeholfen, das Foto-Shooting zu verhindern, indem er sich vor die Linsen stellte. Daraufhin liefen die Spielerinnen kreischend zum gegenüberliegenden Gehäuse und posierten erneut für die Kameras, ehe der Abteilungsleiter nach dreimaligem Hin und Her die irrwitzige Jagd aufgab. "Die Mädchen auf diese Art und Weise auszunutzen, ist ein Armutszeugnis", erzürnte sich Lembke.

Jens Wöhler, erster Vorsitzender des FFC Oldesloe, ist da ganz anderer Meinung: "Nach der Entlassung wurde Wolfgang Dibbern vom VfL Oldesloe in der Presse massiv diffamiert. Deswegen sahen wir uns zu dieser Aktion gezwungen." Als die Gründung des FFC feststand, hatte der VfL Dibbern des Traineramtes enthoben und ihm öffentlich "gezielte Abwerbung" vorgeworfen. Gegen diese Darstellung wehrten sich die FFC-Verantwortlichen.

Die Gründung des neuen Clubs sei auf Initiative der Eltern erfolgt, da sie die Leistung ihrer Kinder im von Männern dominiierten und Frauenfußball abwertenden VfL ("Schnittenkick") nicht entsprechend gewürdigt sahen.

Im FFC Oldesloe, der die Spielerinnen langfristig an Regionalliga- und Bundesligaformat heranführen will, soll gezielt auf die Wünsche der Fußballerinnen eingegangen werden. Ausrüstung und Fahrgelder sollen von einem Sponsorenpool übernommen werden. Mit bis zu siebn Mannschaften plant der FFC für die kommende Saison. Dafür wurde ein Etat von rund 60.000 Mark veranschlagt Dieser ist bislang aber noch nicht gesichert. Probleme bereiten die Trainingszeiten, über die der Vorstand derzeit mit der Stadt verhandelt.

Kommentar:

Die Gründung odeer Abspaltung des einen Frauen-Fußballclubs ist nachvollziehbar, wenn sich die weiblichen Kicker im VfL Oldesloe von den Männern in ihrer Entwicklung behindert oder sogar gemobbt fühlen. Bedenklich stimmt allerdings die Art und Weise, wieder Vorstand des neuen FFC Oldesloe die eigentlich als Präsentation gedachte Veranstaltung zur Austragung eines Kleinkrieges nutzte.

Wenn 12- bis 16-jährige Mädchen zur kollektiven öffentlichen Stimmungsmache für ihren Trainer Wolfgang Dibbern beziehungsweise gegen die Abteilungsspitze des VfL Oldesloe eingespannt werden, dann ist dies nichts weiter als der unbeholfene Versuch, die Presse zu instrumentalisieren. Zu hinterfragen ist diese von Erwachsenen initiierte Vorgehensweise vor allem, weil die sozialen Ziele des neuen Vereins - Erziehung zur Selbstständigkeit und Persönlichkeitsbildung der Spielerinnen - lauten.

AHRENSBURGER ZEITUNG vom 31.3.2000

 

06.04.2012
Eklat statt unspektulärer Abspaltung

Oldesloer Fußballerinnen gründen landesweit ersten Frauen Fußball-Club (FFC); Trennung vom VfL im Streit

Die Gründung des landesweit ersten Frauenfußballclubs (FFC) in Bad Oldesloe stand unter keinem guten Stern. Statt sich friedlich nach Ende der Saison vom VfL Oldesloe zu trennen, übergaben rund 30 Spielerinnen ihre Austrittserklärungen und verzichteten so auf die Verteidigung der Landesmeisterschaft. Damit reagierten die B-Mädchen auf die Entlassung ihres Erfolgstrainers Wolfgang Dibbern, dem der VfL ein Verhalten „wider jeden Anstand und jede Moral im Sport“ vorwarf.


Der Frauenfußball in Bad Oldesloe hat sich zu neuen Ufern aufgemacht. Nach jahrelanger erfolgreicher Arbeit beim VfLOldesloe wurde in der Kreisstadt ein landesweit erster reiner Verein für Kickerinnen gegründet, der Frauen-Fußball-Club Oldesloe 2000, kurz FFC. In dem neuen Verein wollen Spielerinnen, Eltern und die bisherigen Verantwortlichen des Frauen-Fußballs die Entwicklung und Förderung der Talente in die eigene Hand nehmen.

Mit der Unterstützung durch einen Sponsorenpool soll schließlich auch vor großen Zielen nicht zurückgeschreckt werden. Durch die konsequente Arbeit im FFC sollen die Oldesloer Fußballerinnen langfristig Regionalliga und sogar Bundeligaformat haben.

Ein nachvollziehbares Anliegen der Fußballerinnen in einer zahlenmäßig klar von männlichen Vertretern dominierten Sparte. Doch statt der geplanten unspktakulären Abspaltung nach Emnde der Saison startete der neue Verein jetzt nicht nur mit sofortiger Wirkung, sondern auch mit einem Eklat. Kurz vor Saisonende übergaben insgesamt rund 30 Spielerinnen dem VfL Oldesloe demonstrativ ihre Austrittserklärungen.

Die beiden VfL-Kreisligateams der 12-16-jährigen Mädchen wechselten zusammen mit ihrem Trainer Wolfgang Dibbern komplett und unverzüglich zum FFC. Damit nahmen sie in Kauf, dass sie vom Punktspielbetrieb ausgeschlossen werden, ihren Landesmeistertitel nicht verteidigen oder sich über die Pokalrunde für einen überregionalen Wettkampf qualifizeiren können.

"Ich hätte mir wirklich gewünscht, dass es anders laufen würde" Zumindest in diesem Punkt waren sich Jörg Lembke, Fußball-Abteilungsleiter des VfL Oldesloe, und Jens Wöhler, Vorsitzender des FFC, einig. Ansonsten aber können zwei Meinungen nicht unterschiedlicher sein.

"Wir haben von Beginn an mit offenen Karten gespielt", erklärte Wöhler. "Der VfL wusste, dass uns die Austrittserklärungen der Mädchen zum Saisonende vorliegen." Das schien beim VfL jedoch nicht so verstanden worden zu sein. "Wir haben angeboten, im VfL eine Abteilung Frauenfußball einzurichten, aber das wurde offenbar nicht gewünscht", machte Lembke aus seiner Enttäuschung keinen Hehl.-

Statt die Fußballfrauen nebst Wolfgang Dibbern also nach Saisonende ihrer Wege gehen zu lassen, hatte Jörg Lembke in einer Presseerklärung dem Trainer vereinsschädigende Abwerbungen vorgeworfen und mitgeteilt, dass Dibbern mit sofortiger Wirkung abgesetzt worden sei. In einer noch nie dagewesenen Weise benütze der Coach seinen Trainerposten im VfL, um die ihm vom Verein anvertrauten Spielerinnen massiv zum Wechsel in einen neuen Club zu bewegen, heißt es in einer Erklärung von Lembke. Dibbern habe ein Verhalten an den tag gelegt, dass "wider jeden Anstand und jede Moral im Sport" sei.

"Das war beleidigend und diffamierend", ärgerte sich Dibbern, der seit sechs Jahren dn Mädchenfußball im VfL maßgeblich bestimmt hat. Eine Einschätzung, die im Umfeld des neu gegründeten FFC offenbar geteilt wurde. Folge: Beim ersten angesetzten Training unter dem als Nachfolger für Dibbern eingesprungenen Lembke wurden dem VfL-Abteilungsleiter demonstrativ die Austrittserklärungen der rund 30 B-Mädchen überreicht. Die kleineren Spielerinnen bleiben hingegen bis zum Saisonende beim VfL. "Sie sollen ihre Chance haben, die Punktspielserie zu beenden, ehe sie zur nächsten Saison wechseln", erklärte FFC Vorstandsmitglied Katja Dibbern.

Und während die Spielerinnen in neuen FFC-Shirts posierten, versuchte der überrumpelte Lembke, zumindest die Fotos zu verhindern und sich nur gemeinsam mit den Mädels ablichten zu lassen. "Das ist ein Armutszeugnis, die Mädchen derart auszunutzen", sagte Lembke enttäuscht "Die Spielerinnen waren mit dem VfL bisher so erfolgreich. Ihnen mit dieser Aktion die Chance zu nehmen, den Landestitel zu verteidigen, finde ich einfach unsportlich".

Das Attrbut der Sportlichkeit higegen verdient sich hingegen auch der VfL Oldesloe nicht, der den FFC-Mädchen im gegenzug keine Trainingszeiten abtreten will. "Das muss die Stadt entscheiden" erklärte Dibbern, der mit seinen Spielerinnen übergangsweise zum befreundeten SV Meddewade ausweichen kann. "Wenn in Oldesloe alle Sportplatz-Recourcen genutzt würden, gäbe es genug Trainingsraum für alle Fußballer."

Cordula Rassow -STORMARNER TAGEBLATT vom 6.4.2000

 

Kommentar zum obigen Artikel von Cordula Rassow

Die Oldesloer Fußball-Frauen gehen ab sofort ihre eigenen Wege. Sie gründeten den landesweit ersten reinen Fußballclub (FFC). Das war ursprünglich als eine ganz unspektakuläre Abspaltung vom VfL Oldesloe geplant. Doch es gerät zu einem üblen Schlagabtausch.

Zum Saisonende wollten die Fußball-Frauen die Trennung vollziehen. Ein Kompromissangebot des VfL kam viel zu spät. Die Gründung einer eigenen Sparte lehnten die Fußballerinnen ab. Das hat die VfL-Führung wohl nicht verkraftet. Kurzerhand wurde der Abspaltungs-Initiator und Mädchen-Trainer hinausgeworfen. Dass ließen sich die Spielerinnen nicht bieten. Sie traten sofort geschlossen aus dem VfL aus. Prompt wurden den Mädchen Trainingszeiten verweigert.

Die Art und Weise, in der der VfL mit den Fußballerinnen umgeht, ist ebenso unsportlich wie unsouverän. Hier wurden verletzte Eitelkeiten auf dem Rücken der Fußball-Mädchen ausgetragen. Damit muss schnell Schluß sein.

Cordula Rassow - STORMARNER TAGEBLATT vom 6.4.2000

Donnerstag, 6. April 2000
Eklat statt unspektakulärer Abspaltung.

Die Gründung des landesweit ersten Frauenfußball-Clubs (FFC) in Bad Oldesloe stand unter keinem guten Stern. Statt sich friedlich nach Ende der Saison vom VfL Oldesloe zu trennen, übergaben rund 30 Spielerinnen ihre Austrittserklärungen und verzichteten so auf die Ver-teidigung der Landesmeisterschaft. Damit reagierten die B-Mädchen auf die Entlassung ihres Erfolgstrainers Wolfgang Dibbern, dem der VfL ein Verhalten „wider jeden Anstand und jede Moral im Sport“ vorwarf.

Der Frauenfußball in Bad Oldesloe hat sich zu neuen Ufern aufgemacht. Nach jahrelanger erfolgreicher Arbeit im VfL Oldesloe wurde in der Kreisstadt ein landesweit erster reiner Verein für Kickerinnen gegründet: der „Frauen-Fußball-Club Oldesloe 2000“, kurz FFC. In dem neuen Verein wollen Spielerinnen, Eltern und die bisherigen Verantwortlichen des VfL-Frauenfußballs die Entwicklung und Förderung der Talente in die eigene Hand nehmen.
Mit der Unterstützung durch einen Sponsorenpool soll schließlich auch vor großen Zielen nicht zurückgeschreckt werden: Durch die konsequente Arbeit im FFC sollen die Oldesloer Fußballerinnen langfristig Regionalliga- und sogar Bundesligaformat bekommen.

Ein nachvollziehbares Anliegen der Fußballerinnen in einer zumindest zahlenmäßig klar von männlichen Vertretern dominierten Sparte. Doch statt der geplant unspektakulären Abspaltung nach Ende der Saison startete der neue Verein jetzt nicht nur mit sofortiger Wirkung, sondern auch mit einem Eklat. Kurz vor Saisonende übergaben insgesamt rund 30 Spielerinnen dem VfL Oldesloe demonstrativ ihre Austrittserklärungen.
Die beiden VfL-Kreisliga-Teams der zwölf- bis 16-jährigen Mädchen wechselten zusammen mit ihrem Trainer Wolfgang Dibbern komplett und unverzüglich zum FFC. Damit nehmen sie in Kauf, dass sie vom Punktspielbetrieb ausgeschlossen werden, ihren Landestitel nicht verteidigen oder sich über die Pokalrunde für einen überregionalen Wettkampf qualifizieren können.

„Ich hätte mir wirklich gewünscht, dass es anders laufen würde.“ Zumindest in diesem Punkt waren sich Jörg Lembke, Fußball-Abteilungsleiter des VfL Oldesloe, und Jens Wöhler, Vorsitzender des FFC, einig. Ansonsten aber können zwei Meinungen nicht unterschiedlicher sein.

„Wir haben von Beginn an mit offenen Karten gespielt“, erklärte Wöhler, „Der VfL wusste, dass uns die Austrittserklärungen der Mädchen zum Saisonende vorliegen.“ Das schien beim VfL jedoch nicht so verstanden worden zu sein. „Wir haben angeboten, im VfL eine Abteilung Frauenfußball einzurichten, aber das wurde offenbar nicht gewünscht“, machte Lembke aus seiner Enttäuschung keinen Hehl.

Statt die Fußballfrauen nebst Wolfgang Dibbern also nach Saisonende ihrer Wege gehen zu lassen, hatte Jörg Lembke in einer Presseerklärung dem Trainer vereinsschädigende Abwerbungen vorgeworfen und mitgeteilt, dass Dibbern mit sofortiger Wirkung abgesetzt worden sei. In einer noch nie dagewesenen Weise benütze der Coach seinen Trainerposten im VfL, um die ihm vom Verein anvertrauten Spielerinnen massiv zum Wechsel in den neuen Club zu bewegen, heißt es in der Erklärung von Lembke. Dibbern habe ein Verhalten an den Tag gelegt, dass „wider jeden Anstand und jede Moral im Sport" sei.

„Das war beleidigend und diffamierend“, ärgerte sich Dibbern, der seit sechs Jahren den Mädchenfußball im VfL maßgeblich bestimmt hat. Eine Einschätzung, die im Umfeld des neu gegründeten FFC offenbar geteilt wurde. Folge: Beim ersten angesetzten Training unter dem als Nachfolger für Dibbern eingesprungenen Lembke wurden dem VfL-Abteilungsleiter demonstrativ die Austrittserklärungen der rund 30 B-Mädchen überreicht. Die kleineren Spielerinnen bleiben hingegen bis zum Saisonende im VfL. „Sie sollen die Chance haben, die Punktspielserie zu beenden, ehe sie zur nächsten Saison wechseln“, erklärte FFC-Vorstandsmitglied Katja Dibbern.

Und während die Spielerinnen in neuen FFC-Shirts für die Presse posierten, versuchte der überrumpelte Lembke, zumindest die Fotos zu verhindern und sich nur gemeinsam mit den Mädchen ablichten zu lassen. „Das ist ein Armutszeugnis, die Mädchen derart auszunutzen“, sagte Lembke enttäuscht. „Die Spielerinnen waren mit dem VfL bisher so erfolgreich. Ihnen mit dieser Aktion die Chance zu nehmen, den Landestitel zu verteidigen, finde ich einfach unsportlich.“

Das Attribut der Sportlichkeit hingegen verdient sich auch der VfL Oldesloe nicht, der den FFC-Mädchen im Gegenzug keine Trainingszeiten abtreten will. „Das muss die Stadt entscheiden“, erklärte Dibbern, der mit seinen Spielerinnen übergangsweise zum befreundeten SV Meddewade ausweichen kann. „Wenn in Oldesloe alle Sportplatz-Ressourcen genutzt würden, gäbe es genug Trainingsraum für alle Fußballer.“
STORMARNER TAGEBLATT vom 6.4.2000

 

11.04.2000
Unsportlichkeit auf vielen Bühnen

Zum Bericht „Eklat statt urispektakulärer Abspaltung" im Stormarner Tageblatt vom 6. April schreibt Ole Junker, Vorstandsmitglied des SSC Hagen Ahrensburg:

In dem Artikel und im Kommentar auf Seite 1 wird der Eindruck erweckt, allein der Vfl, Oldesloe verhalte sich grob unsportlich und trage „verletzte Eitelkeiten auf dem Rücken der Fußball-Mädchen" aus. Was sich zwischen dem VfL und dem FFC im einzelnen abgespielt hat, vermag ich nicht zu beurteilen. Tatsache ist aber auch, dass sich der Mädchentrainer, Herr Dibbern, in den vergangenen Monaten alles andere als sportlich erwiesen hat. Mit der Gründung des FFC warb Herr Dibbern auch den Trainer unserer Frauenmannschaft (SG Bünningstedt-Hagen) an mit der Maßgabe, doch auch einige Spielerinnen mitzubringen. Den Trainer wird er nun bekommen, er erliegt wahrscheinlich dem Lockruf des Geldes.

Das Frauenteam zeigte sich nicht sehr angetan von derartigen Praktiken, wurde ihnen doch suggeriert, sie könnten beim FFC komplett zusammen bleiben. Das läuft ja dem angestrebten Ziel dieses Vereins völlig zuwider, Auch unsere Mädchentrainerin wurde von einem FFC-Sympathisanten befragt, ob sie nicht lieber beim FFC trainieren wolle, da man dort „nur mit Geld so um sich schmeißt"! Unser Glück: sie lehnte ab, trainiert lieber in einem für sie bekannten und guten Klima.

Erstaunt sollte man auch mal auf die Tatsache gucken, dass Frau Brink, langjährige Mädchenreferentin in Segeberg, auch im Vorstand des FFC mitarbeitet. Erfüllt sich hier ein lang ersehnter Wunsch für jemanden, der über Jahrzehnte die Geschicke lenkt und über ein ausgezeichnetes Insiderwissen verfügt? Zu wünschen wäre ihr das. Merkwürdig nur, dass zeitgleich mit der SG Sülfeld eine der besten Mädchen' und Frauenmannschaften der Region auseinanderbricht.

Es hätte der Berichterstattung besser getan, wenn man auch im Umland recherchiert hätte. Bei allen Verfehlungen, die man dem VfL Oldesloe vielleicht anlasten kann, eine faire Bewertung des Sachverhalts ist das nicht.

Ole Junker SSC Hagen Ahrensburg

 

12.04.2000
'Einfluss massiv ausgenutzt

Zum Bericht ,Eklat statt unspektakulärerAbspaltung'im Stormarner Tageblatt vom 6. April schreibt die Frauen-Mannschaft des VfL Oldesloe:

Wir möchten einige Punkte des Berichts richtig stellen:

  1. Die Frauen-Mannschaft wird weiterhin beim Vfl Fußball spielen. Lediglich die Mädchen haben sich zu einem Wechsel zum FFC entschlossen.
  2. Die Trainingszeiten und -möglichkeiten wurden den Mädchen nicht verweigert, sondern weiter vom VfL angeboten. Das Angebot lehnten die Mädchen aber kategorisch ab. Stattdessen erklärten sie geschlossen den Austritt und dass sie keine Spiele mehr für den Vfl, bestreiten würden.
  3. Falsch ist, dass die Führungscrew des FFC bisher für den VfL-Frauenfußball verantwortlich war. Wolfgang Dibbern war lediglich Jugendtrainer, seine Frau Betreuerin.
  4. Genauso falsch ist die Behauptung, dass von Beginn an „mit offenen Karten" gespielt wurde. Die Austrittserklärungen haben, wenn überhaupt, nur Mädchentrainer Dibbern vorgelegen und waren der Fußballabteilungsleitung des VfL weder vom Inhalt noch vom Umfang her bekannt. Die Abwerbung der VfL-Mädchen für den FFC war bereits erfolgt, bevor der VfL von der Existenz des FFC erfuhr.
  5. Richtig ist, dass Wolfgang Dibbern seinen Trainerposten und seinen Einfluss auf die Mädchen massiv missbraucht hat. Erkennbar durch die Abwerbungen, die Stimmungsmache bei den zwölf-bis 16-jähriger Mädchen gegen den VfL und die Austritten mitten in der Saison.

Der VfL Oldesloe hat sehr wohl erkannt, welches Potenzial im Bereich des weiblichen Fußballs steckt. Deshalb wurde für die Saison 1999/ 2000 erstmals eine zweite Frauenmannschaft für den Spielbetrieb gemeldet. Auslöser dafür. war, den heranwachsenden Mädchen eine Perspektive für die Zukunft im VfL zu bieten. Die Absprache zwischen den Trainern der Frauenmannschaften und Wolfgang Dibbern war.: Die Mädchen trainieren zeitweise bei den Frauen mit, um ihnen die Integration in das Team und die Umstellung auf das Elferfeld beim Wechsel in den Frauenfußball zu erleichtern.

Doch Herr Dibbern war mit dem Trainer der Frauenmannschaft nicht einverstanden und hat erreicht, dass der B-lizensierte Trainer mitten in der Saison das Handtuch warf. Die Folge davon war, dass die zweite Frauenmannschaft im Januar abgemeldet werden musste.

Man muss sich das vor Augen halten: Wir starteten mit 30 Frauen und zwei Teams in die Saison, heute sind davon noch 17 Spielerinnen und eine Mannschaft vorhanden. Herr Dibbern ist sicher ein guter Trainer (allerdings ohne Lizenz), der aber, getrieben von einem nicht mehr gesunden Ehrgeiz, die Belange des VfL Oldesloe („Wir holen die Jugend von der Straße"), die der Eltern und der Kinder aus den Augen verloren hat.

Die Unsportlichkeit liegt darin, dass Herr Dibbern den Mädchen die Chance nimmt, ihren Landestitel zu verteidigen, denn der VfL bot ihnen die' Fortführung von Training und Spielbetrieb an, nur mit einem anderen Trainer.
Der FFC gibt in seiner Vereinsbroschüre als soziale Ziele „Persönlichkeitsbildung und Erziehung zur Selbstständigkeit" an. Wir fragen uns, ob diese Ziele nicht jetzt schon verfehlt worden sind. Dem VfL ist kein unsportliches Verhalten anzulasten, und die Akzeptanz des weiblichen Fußballs im VfL ist nachweisbar, wenn zwei Spielerinnen zugleich in der Abteilungsleitung tätig sind.

Wiir finden die Entwicklung traurig, denn die *Mädchen wollen sicher nur Fußball spielen. Fraglich bleibt, ob sie das Ausmaß erkannt haben, dass sie von Herrn Dibbern für ein halbes Jahr auf Eis gelegt worden sind.

gez. von allen Spielerinnen des VfL Oldesloe

 

04.05.2000
Konzept überzeugte Fußball-Mädchen


Zur Berichterstattung zur Gründung des Frauenfußball-Clubs Bad Oldesloe 2000 (FFC) schreiben die Eltern der betroffenen Spielerinnen:


Nachdem sich nach Gründung des ersten Frauenfußballvereins in der Geschichte Schleswig Holsteins der erste Kanonendonner verzogen hat, sehen wir uns als Eltern der betroffenen Spielerinnen veranlasst, unseren Standpunkt zur FFC-Gründung öffentlich darzulegen.

Fakt ist, dass wir Eltern feststellen mussten, dass es für unsere Mädchen in der Fußballsparte des VfL keine geeigneten Perspektiven zur Weiterentwicklung des Frauenfußballs gibt. Wir machten die Erfahrung, das auch im Vfl, der Fußball von Männern dominiert wird. An erster Stelle stehen die erste Herren, nachgeordnet die weiteren Herren- und Jugend(-jungen)- teams. An letzter Stelle steht der Frauenfußball.

Ein Landesmeistertitel der Mädchen 1999 wurde kaum zur Kenntnis genommen. Offizielle des VfL, die Vereinsführung, die Frauenbeauftragte und der Abteilungsleiter Fußball, sowie Vertreterinnen des Damenteams glänzten durch Abwesenheit.

Seinen ersten offiziellen Auftritt bei den Mädchen hatte Fußballabteilungsleiter Herr Lembke — nach fünf Jahren erfolgreichen Mädchenfußballs unter Wolfgang Dibbern — an einem Trainingsabend. Er suspendierte den Trainer vor den Augen der Mädchen und einiger Eltern in einer Art, die man weder als sportlich fair noch professionell bezeichnen kann.

Vorausgegangen war der Versuch einiger engagierter Eltern, mit Trainer Wolfgang Dibbern den Frauenfußball im VfL durch Verbesserungswünsche auf ein höheres Niveau zu bringen. Die Abteilungsleitung wurde gebeten, ein Konzept und Perspektiven für die Zukunft aufzuzeigen. Bereits im Februar 2000 wurde den Verantwortlichen der Fußballabteilung auf einem Elternabend sehr deutlich gemacht, dass es bei einer nicht zufriedenstellenden Lösung der bekannten und diskutierten Probleme hinsichtlich Integration und Verbesserung des Frauenfußballs im VfL zu einer Abspaltung des Mädchen- und Damenfußballs in einen neuen Verein kommen wird.

Abteilungsleiter Herr Lembke schlug daraufhin vor, den Frauenfußball in einer eigenen Sparte zu integrieren.

Dieser Vorschlag traf damals auf unser Interesse, wurde jedoch durch den Rauswurf des Mädchentrainers zwei Wochen später ad absurdum geführt.

Nach dieser VfL-Aktion, bei der die Interessen und Wünsche der Spielerinnen und Eltern für den VfL-Fußballabteilungsleiter wohl keine Rolle mehr spielten, waren Spielerinnen und Eltern fest entschlossen, ab sofort nicht mehr für den VfL aktiv zu sein. Die angekündigte Abspaltung vom VfL wurde vollzogen, der FFC trat an die Öffentlichkeit.

Um so erstaunlicher ist nun die Reaktion der Abteilungsleitung des VfL. In Pressemitteilungen wurde den FFC-Verantwortlichen „unmoralisches und grob unsportliches Verhalten" vorgeworfen. Zudem wurde der Eindruck erweckt, dass die Mädchen von den FFC-Verantwortlichen für ihr eigenes Vorhaben missbraucht worden seien.

Hiergegen verwahren wir Eltern uns aufs Äußerste. Wir legen Wert auf die Feststellung, dass der Verein FFC 0ldesloe 2000 auf unsere Initiative hin, unter Einbindung und in Absprache mit unseren Töchtern, zu Stande gekommen ist. Wird hier nicht Seitens des Vfl. unterschätzt, dass Eltern mit ihren Kindern einen Konsens erzielen können, der sowohl durch Gespräche im Elternhaus als auch in der Mannschaft und durch viele ausführlichen Informationsveranstaltungen auf demokratischer Basis er-reicht wurde?

Letztendlich sind wir der Auffassung, dass Frauenfußball auch in Bad Oldesloe nur erfolgreich sein kann, wenn er in einem reinen Frauenfußballverein ausgeübt wird (siehe FFC Frankfurt).

Wir, als betroffene Eltern, haben uns mit unseren Mädchen ein tragfähiges und zeitgemäßes Konzept zum Aufbau eines modern geführten Frauenfußballvereins erarbeitet. Dieses Konzept ist kein Geheimnis und hat dazu geführt, das andere Kontakt zum FFC bekamen und starkes Interesse an einer Mitarbeit signalisierten. Allein das Konzept überzeugte! „Geld" und „Abwerbung" sind hier Vokabeln, die nur der Verleumdung dienen.
Der Wunsch aller Spielerinnen und uns Eltern ist es, so schnell wie möglich wieder in einem Verein Fußball zu spielen. Mit diesem Brief wollen wir zum Ausdruck bringen, das Spielerinnen, und Eltern hinter dem Vorstand des FFC Bad Oldesloe 2000 stehen und uns von den Verantwortlichen des VfL und der Stadt eine sachliche und gute Zusammenarbeit mit dem FFC wünschen.

gez. von Eltern und Spielerinnen des FFC Bad Oldesloe
STORMARNER TAGEBLATT vom 4.5.2000

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